Im Handwerk des Regierungsbezirks Düsseldorf herrscht auch nach dem Winterhalbjahr eine her­vor­ragende Stimmung. Der Geschäftsklimaindex liegt nach den Ergebnissen der aktuellen Früh­jahrs­um­frage der Handwerkskammer Düsseldorf erneut bei 86 Prozent. Besser war die Stimmung unter den Betrieben seit den Boomjahren nach der Wiedervereinigung nicht mehr.„Auch im Handwerk stehen die Zeichen für 2011 eindeutig auf Wachstum und Aufschwung“, freut sich Kammerpräsident Professor Wolfgang Schulhoff. „Unsere Unternehmen und Beschäftigten haben die schwierige Phase nach der Finanzmarktkrise gut gemeistert und blicken jetzt optimis­tisch nach vorne. Wir haben gute Chancen, in diesem Jahr den Umsatz deutlich zu steigern und auch wieder Beschäfti­gung aufzubauen.“ Schulhoff, zugleich Präsident des Nordrhein-Westfäli­schen Handwerkstag, zeigte sich auch sichtlich zufrieden mit der Lage des Handwerks in ganz Nordrhein-Westfalen: „Auch in den übrigen sechs Kammerbezirken des Landes ist die Stimmung derzeit auf einem Spitzenniveau.“

Vor allem das boomende Baugewerbe prägt derzeit die Stimmung im Handwerk. So liegt der Ge­schäftsklimaindex im Bauhauptgewerbe diesmal bei 90 Prozent, im Ausbaugewerbe bei 88 Pro­zent. Nur jeder zehnte Betrieb klagt über eine schlechte Geschäftslage oder rechnet mit einer Ver­schlech­te­rung in den kommenden Monaten. Das zuletzt arg gebeutelte Kfz-Gewerbe zeigt sich mit einem Geschäfts­klimaindex von 85 Prozent stabil. Eigentlicher Gewinner der Umfrage ist das Ge­sundheitsgewerbe, das seinen Geschäftsklimaindex um sieben auf jetzt 86 Prozent kräftig steigern konnte. Die dort vertretenen Handwerke wie Augenoptiker oder Zahntechniker profitieren von der allgemeinen Dynamik im Gesund­heitsmarkt. Problematischer ist dagegen die Lage bei den Flei­schern, Bäckern und Konditoren sowie bei den Friseuren und anderen Handwerken, die stark vom privaten Konsum abhängen.

Zwar haben sich manche Konjunkturindikatoren saisonal bedingt gegenüber der Herbstumfrage ver­schlechtert. Aber im Vergleich zur Vorjahresumfrage im Frühjahr 2010 hat sich die Lage des Hand­werks in nahezu jeder Hinsicht deutlich gebessert: Auftragslage und Umsatz sind angesprun­gen. Die Investitionsbereitschaft ist höher. Die Kreditsituation für die Unternehmen hat sich ent­spannt und die Beschäftigungssignale zeigen wieder leicht aufwärts. Auch die Verkaufspreise ziehen derzeit an – vor allem im Kfz-Gewerbe und bei den Lebensmittelhandwerken. Höhere Rohstoff­preise müssen zumin­dest teilweise an die Kunden weitergegeben werden.

Schulhoff warnte angesichts der hervorragenden Umfrageergebnisse allerdings vor Übermut: „Keine Frage, das sind schöne Zahlen, wie wir sie lange nicht gesehen haben. Aber gute Stim­mungswerte sind noch keine harten Fakten über Umsatz und Beschäftigung.“ Im jetzigen Auf­schwung dürfe man die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und einige Strukturprobleme nicht aus dem Blick verlieren. „Um die Stabilität des Euro und um die dramatische Verschuldung der öffentlichen Haushalte müssen auch wir Handwerker uns große Sorgen machen“, so Schulhoff. Auch der Fachkräftemangel stelle das Handwerk vor große Herausforderungen. Des­halb fordert der Kammerpräsident mehr Anstrengungen, um die Ausbildungsfähigkeit von Schul­absolventen zu steigern. „Auch über bessere Maßnahmen zur beruflichen Integration von Jugend­lichen mit Migrationshintergrund und über ein wirtschaftsfreundliches Einwanderungsgesetz müssen wir sprechen.“ Auch die schlechte Personalausstattung der beruflichen Schulen ist Schulhoff ein Dorn im Auge: „Hier muss die Landesregierung dringend mehr tun!“ Auch bei der Konzipierung eines neuen Mittelstandsgesetzes, über das derzeit in der Landespolitik beraten wird, fordert das beschäftigungsintensive und ausbildungsstarke Handwerk die Rückendeckung durch die Politik ein.