In der WHKT-Veranstaltung »2. Karrieretreff NRW« am vergangenen Samstag, dem 19.09.2015 in Aachen bestätigte sich erneut, wie interessant und perspektivenreich eine berufliche Ausbildung im Betrieb ist. Aktuelle Auszubildende mit Studienerfahrungen schilderten ihren Lebensweg und kritisierten, wie sehr am Gymnasium die einseitige Ausrichtung auf ein Studium vorherrsche, das für viele Abiturienten kein zielführender Weg sei. Schulministerin Löhrmann zeigte sich überzeugt, dass doppelqualifizierende Bildungsangebote sehr wertvoll seien, auf die das Land schon lange setze. Damit kann man höhere Schulabschlüsse gemeinsam mit einem Berufsabschluss erwerben. Sie unterstrich damit das Ziel des Handwerks, auch duale Ausbildung und Abitur zu verknüpfen. Sie betonte, dass junge Menschen, die an Berufskollegs ein Abitur erwerben, prädestiniert seien, einen Karriereweg über die Berufsbildung einzuschlagen. Damit sind nicht nur die Vertreter der Handwerksorganisationen von einem Karriereeinstieg über eine betriebliche Ausbildung und berufliche Fortbildung für einen beruflichen Aufstieg überzeugt, sondern auch die Schulministerin.

Prof. Dr. Rauner von der Universität Bremen kritisierte vor allem die Vielzahl von über 8.000 verschiedenen Bachelor-Studiengängen bei 330 Ausbildungsberufen und äußerte erhebliche Bedenken zu einzelnen Bachelor-Studiengängen, die weder berufsqualifizierend noch wissenschaftlich seien. Er hob hervor, wie stark die berufliche Bildung ganzheitliches Denken und Handeln lehre und Wissenschaft letztlich die Ganzheitlichkeit ausklammere, dafür aber enorme fachspezifische Vertiefungskenntnisse entwickele, mit der man forschen könne, aber keine breite berufliche Handlungskompetenz aufbaue.

Einig waren sich die Akteure des Karrieretreffs, dass weitere Entwicklungen in der beruflichen Bildung notwendig seien, um berufliche Qualifikationen auf den Stufen 7 und 8 des Deutschen Qualifikationsrahmens vergleichbar mit Master und Promotion zu entwickeln, um den wahren Wert der beruflichen Bildung zu dokumentieren. Am Ende erkennen dann auch alle Eltern, dass berufliche und akademische Bildungswege sicher gleichwertig sind.