Handwerker haben das Ohr am Kunden und schaffen individuelle und passgenaue Lösungen. Zur Professionalität gehört ebenso, sich auf den neuesten technischen Stand zu bringen – so werden Innovationen möglich. Als wichtigste hervorgebrachte Innovation des Handwerks benennt ZDH-Präsident Otto Kentzler in der März-Ausgabe des Forschungsmagazins Innovationsmanager die Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung – in dem hier in Gänze dargestellten Fragebogen „7 Fragen – 7 Antworten“:
Was war Ihre erste Innovation?

Kentzler: In unserem Unternehmen haben wir vor Jahren Rollnahtgeschweißte Edelstahldächer in das Dienstleistungsangebot aufgenommen. Die Dichtigkeit prüfen wir durch untergespültes Gas. Wir haben so die Entwicklung des extrem dichten Daches mit vorangetrieben. Aufgrund des Werkstoffes ist es auch ein leichtes Flachdachsystem mit einem hohen Wärmeabstrahlverhalten. Diese Innovation ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Handwerksbetrieb neue technische Entwicklungen und Möglichkeiten nutzt, dabei die Kundenbedürfnisse aufgreift und sich flexibel danach ausrichtet.

Welche war Ihre wichtigste Innovation?

Kentzler: Eine, die ich nicht für mich allein beanspruche und von der die ganze Handwerksbranche profitiert: Der ZDH hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung auf politischer Ebene endlich anerkannt wurde. Seit Anfang 2012 steht der Meistertitel auf einer Stufe mit dem Bachelor. Für Handwerker eröffnet sich somit eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten, auch auf akademischer Ebene.

Wo und wie sind Sie innovativ?

Kentzler: Der Markt sagt mir, wo Innovationen gefragt sind. Wenn ich sehe, wie eine alleinstehende alte Dame nicht mehr ihr Küchenregal erreicht, stelle ich mir sofort die Frage: Wie könnte man diesen täglichen Kampf erleichtern? Und meist fällt mir dann auch etwas dazu ein. Im speziellen Fall das Regal auf Schienen, das leicht auf Griffhöhe gezogen werden kann. Überhaupt sind beim altersgerechten Umbau von Wohnungen und den damit einhergehenden individualisierten Lösungen Handwerker aufgrund ihrer vielfältigen Berufserfahrung sehr gute Beratungspartner. Das gilt auch für die Umsetzung der politisch forcierten Energiewende.

Welche Innovation aus Deutschland würden Sie als herausragend bezeichnen und warum?

Kentzler: Für die Wirtschaft und Gesellschaft bleibt das Duale Ausbildungssystem eine herausragende Entwicklung. Gegenwärtig beschert es Deutschland die in Europa niedrigste Jugendarbeitslosigkeit und eine europaweite Anerkennung. Und als Sanitärinstallateur und  Klempner bin ich begeistert von Hocheffizienzpumpen im Heizungsbereich: Stromsparen wird vor dem Hintergrund der Energiewende immer wichtiger und mit diesen Pumpen lässt sich gegenüber herkömmlichen Umwälzpumpen der Energieverbrauch eines Hauses signifikant absenken. Für einen Hausbesitzer haben die langfristigen Kosteneinsparungen den Gegenwert eines veritablen Urlaubs!

Und auf welche Innovation könnten Sie gut und gerne verzichten?

Kentzler: Nichts geht über regionale Spezialitäten frisch vom Handwerksbäcker, aus der Metzgerei des Vertrauens oder vom regionalen Bierbrauer. Gegenüber den billigen  Massenproduktionswaren beim Discounter gebe ich ihnen gern den Vorzug. Auch auf die vermeintlich besseren Regulierungen und Vorschriften des Gesetzgebers können Handwerker gut verzichten. Mehr Bürokratie kostet mindestens wertvolle Zeit, oft aber auch Geld.

Welche Ihrer Innovationen hat gar nicht funktioniert?

Kentzler: Eine Dienstleistung, gedacht für Menschen ohne Heimwerker-Gen – die Abrechnung kleiner Reparaturen in 5-Minuten-Schritten. Für Kleinreparaturen gibt es offensichtlich noch keinen Bedarf.

Welche Menschen sind die wichtigsten Treiber Ihrer Innovationskraft?

Kentzler: Im Handwerk sind das grundsätzlich die Kundinnen und Kunden. Sie äußern Wünsche und Bedürfnisse, für die das Handwerk sich maßgeschneiderte und passgenaue Lösungen einfallen lässt. Das geht nur über Professionalität, denn in der Regel sind Kunden bei ihren Anfragen dank Internet sehr gut vorinformiert. Das macht es gerade dem Handwerk aber auch leichter, hier seine Kompetenz zu beweisen. Handwerker sind nah dran an der Marktentwicklung, müssen auskunftsfähig sein und bilden sich daher auf neueste formale oder technische Standards stetig weiter. Weil der Markt in Bewegung ist, bekommt auch das Prinzip mehrerer Dienstleistungen „aus einer Hand“ eine größere Bedeutung – zunehmend kooperieren Betriebe unterschiedlicher Gewerke miteinander, um auch diesem Kundenbedürfnis besser zu entsprechen.

Quelle: ZDH