Kammer wirbt mit überdimensionalem Plakat und Info-Offensive unter Gymnasiasten für „Karriere mit Lehre“: Erstmals drängen in NRW im Jahr 2013 zwei komplette Jahrgänge aus den Gymnasien gleichzeitig an die Universitäten und auf den Arbeitsmarkt. Als Option für den Berufseinstieg bringt sich jetzt massiv das Handwerk ins Gespräch. Die Handwerkskammer Düsseldorf startet kurz vor den Winterferien eine Kommunikationsoffensive für Schulabgänger mit Abi. „Wir wollen die Besten, und wir bieten beste Chancen“, brachte der Präsident der Handwerkskammer, Prof. Wolfgang Schulhoff – selbst Hochschullehrer, Handwerker und Unternehmer – den Vorstoß am Mittwoch in der Landeshauptstadt selbstbewusst auf den Punkt.

  • So hat die Kammer statt wie sonst erst im Frühjahr bereits jetzt im Dezember eine Internet-Ausbildungsbörse unter www.handwerk-lehrstellen.de mit mehr als 1500 frisch akquirierten Ausbildungsplätzen eröffnet. Darunter 360 speziell eingeworbene Offerten für Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife.
  • Ein Info-Flyer auf der Website der Kammer unter www.hwk-duesseldorf.de bietet der neuen Zielgruppe des Handwerks erste Orientierungshilfe im handwerklichen Berufe-Kosmos, öffnet den Blick für die produktiven bzw. kreativen Optionen im Handwerk – und auf die Möglichkeit, sich in den verbleibenden Ferienphasen in einem Handwerksunternehmen im favorisierten Ausbildungsberuf zu testen.
  • Um das Matching von Angebot und Nachfrage zu erleichtern, hat die Kammer außerdem eine Sonderberatungsstelle eingerichtet. Ab sofort informiert Michael Eßer unter Telefon 0211-87 95-626 bzw. E-Mail michael.esser@hwk-duesseldorf.de InteressentInnen an einer „Karriere mit Lehre“ mit Hochschulreife im Detail über Berufs- und Aufstiegsoptionen, Verdienstmöglichkeiten und über eine Zukunft als Herr/in eigener Ideen in beruflicher Unabhängigkeit im beschäftigungsgrößten Wirtschaftssektor des Landes.

Als unübersehbares Startsignal ihrer Abiturienten-Offensive hat die HWK am Mittwoch neben dem Hauptportal des Kammerverwaltungsgebäudes ein 70 Quadratmeter großes
Riesentransparent entrollt. Es transportiert die Botschaft „Mach erstmal was Sinnvolles. Studieren kannst du später noch. – Abiturienten 2013: Willkommen im Handwerk!“
in der Optik der laufenden Imagekampagne des Handwerks.

„Das Handwerk hat als Alternative zum akademischen Bildungsweg viel mehr zu bieten, als bekannt ist: verkürzte, mehrfach qualifizierende Ausbildungsgänge, duale und Aufbaustudiengänge für Meister und Gesellen, Unternehmen mit kurzen Leitungsspannen und entsprechend kurzen Aufstiegswegen in leitende Positionen. Wir sind der einzige Wirtschaftssektor, der systematisch zum Unternehmer ausbildet. Und es stehen alleine im Regierungsbezirk Düsseldorf in den nächsten fünf Jahren 6.500 Betriebe an, die eine junge Chefin oder einen jungen Chef benötigen, um die Firma fortzuführen,“ zählte Schulhoff bei einem Pressetermin am Kammersitz wesentliche Vorzüge der gewerblich-technischen Karriereoption auf. „Gerade unsere technologisch besonders anspruchsvollen Berufe rund um Elektronik und Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Mobilität verlangen nach Top-Nachwuchs“, benannte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf ein zentrales Motiv für das Engagement des Handwerks im Jahr der Abiturienten. „Es ist außerdem Tradition im Handwerk, bei gesellschaftlichen Problemen zu helfen. Wir werden keine Abgänger im Regen stehen lassen“, betonte Schulhoff.

Derzeit ist jeder zehnte Azubi im Handwerk an Rhein, Ruhr und Wupper mit Hochschulreife ausgestattet. Die Schulabgänger mit Abi streben bislang vor allem in Gestaltende Handwerksberufe: zum Tischler (als Praktikum fürs Architekturstudium), zum Steinmetz, Keramiker und zum Gold- und Silberschmied. Aber auch im Kraftfahrzeuggewerbe und bei den Elektronikern finden sich erhöhte Abiturienten-Anteile. „Viele Gymnasiasten verfügen über eine hohe praktisch-gestalterische und informationstechnische Grundbegabung und werden in diesen Anlagen nicht ausreichend gefördert, weil die Curricula dieser Schulform allzu einseitig den Erwerb kognitiver Kompetenzen fördern“, kritisiert Schulhoff – und mahnt für Gymnasien und Gesamtschul-Oberstufen Angebote an, Technik-verständnis wie Handfertigkeit auszubilden und die Berufsorientierung Richtung Handwerk „stark auszubauen“. Die Kammer selbst eröffnet Schülerinnen und Schülern ab Klasse zehn kurze Wege zu Ferienhospitanzen in einem Handwerksbetrieb. Denn: „Das Gros aller Ausbildungsverhältnisse im Handwerk kommt heute über ein Firmenpraktikum zustande“, weiß Schulhoff.