Spitzengespräch zwischen Zentralverband des Deutschen Handwerks und Deutscher Bischofskonferenz: Berlin, 28. Juni 2012 – Mit einem Treffen von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und dem Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) haben Handwerk und Katholische Kirche die Tradition ihrer Spitzentreffen fortgesetzt. Bei der Begegnung am Mittwoch in Berlin machte ZDH-Präsident Otto Kentzler deutlich, dass christliche Werte eine wichtige Orientierung in allen ethischen Fragen der Unternehmens- und Lebensführung geben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, unterstrich die Herausforderungen des demographischen Wandels. „Das Verhältnis von Eigeninteresse und Gemeinwohlorientierung sowie von Eigenverantwortung und Solidarität muss im Blick auf die solidarischen Sicherungssysteme in ein neues Gleichgewicht gebracht werden. Jung und Alt, Kinderlose und Familien, Arme und Reiche dürfen in dieser gesellschaftlichen Debatte nicht gegeneinander ausgespielt werden.“ Als Kirche sehe man sich gefordert, einen Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen und der Gesellschaft zu leisten. Zollitsch würdigte dabei die Arbeit des ZDH: „Sie engagieren sich vorbildlich für familienfreundliche Arbeitsbedingungen; die Unterzeichnung der Charta familienfreundliche Arbeitszeiten ist nur ein Beispiel dafür.“ Auch die Pflege der Sonntagskultur gehöre dazu, betonten Handwerk und Bischofskonferenz.

„Das Handwerk setzt sich für mehr Nachhaltigkeit, Eigenverantwortung und Generationengerechtigkeit ein. Dabei bewährt sich das Prinzip Handwerk – persönlich Verantwortung zu übernehmen für unternehmerische Entscheidungen, für die Zukunft des Betriebes, der Mitarbeiter und ihrer Familien, sowie der Gesellschaft“, so ZDH-Präsident Otto Kentzler über die elementare Rolle der Familienunternehmen des Handwerks für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft und die Stabilisierung der Gesellschaft.

Beide Seiten zeigten sich einig, dass die gegenwärtige Krise auch als Chance für einen Wertewandel verstanden werden muss. Kirche und Handwerk betonten dabei, dass im Hinblick auf kommende Generationen die Frage der Staatsverschuldung eines der langfristig drängendsten Probleme sei. In den vergangenen Jahren hätten die deutschen Bischöfe „nicht aufgehört, auf die überbordende Staatsverschuldung, die auf Dauer die Handlungsfähigkeit des Staates untergraben kann, hinzuweisen“, so Zollitsch. Kentzler verwies in diesem Zusammenhang auf das finanzpolitische Konzept des Handwerks für eine nachhaltigen Haushaltspolitik: „Der Staat darf nicht mehr ausgeben als im vorangegangenen Jahr eingenommen wurde.“

Die Bischöfe würdigten das Handwerk nicht nur als bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland, sondern auch als wichtigen Arbeitgeber und „Ausbilder der Nation“. Die Deutsche Bischofskonferenz und ZDH haben in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit unterstrichen, auch Jugendlichen aus den europäischen Krisenländern eine Chance auf Ausbildung und Beschäftigung in Deutschland zu bieten.

Erzbischof Zollitsch verwies auf die bedeutende Rolle, die das Handwerk mit Blick auf den nachhaltigen Umgang mit Energie einnehme: „Handwerker sind vielfach zu Energieberatern geworden. Sie sind kompetente Partner und Umsetzer von praxistauglichen Lösungen zur energetischen Sanierung oder Modernisierung. Jedem Kundigen ist klar, dass dem Handwerk in der Energiewende eine Schlüsselrolle vor Ort zukommt.“ Bestens ausgebildete Handwerker stünden in der Tat bereit, für mehr Energieeffizienz zu sorgen, so der Handwerkspräsident, und ergänzte: „Es ist an der Politik, die richtigen Anreize zu setzen, um diese Herausforderung erfolgreich zu gestalten.“

Handwerk und Kirchen treffen sich auf Arbeitsebene regelmäßig im Zentralen Besprechungskreis, um die Standpunkte zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen abzustimmen, insbesondere im Bereich Arbeit und Soziales.

An dem Gespräch in Berlin nahmen Vertreter des ZDH-Präsidiums teil, an der Spitze Präsident Otto Kentzler und die ZDH-Vizepräsidenten Heinrich Traublinger und Karl-Heinz Schneider, der DHKT-Vizepräsident der Arbeitnehmerseite Klaus Feuler, sowie Generalsekretär Holger Schwannecke und die Geschäftsführer Dirk Palige und Karl-Sebastian Schulte. Von Seiten der Kirche waren neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz dessen Stellvertreter, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), Weihbischof Dr. Matthias Heinrich (Berlin), Prälat Dr. Karl Jüsten (Leiter des Katholischen Büros Berlin) sowie von den Sozialverbänden Thomas Dörflinger MdB (Bundesvorsitzender des Kolpingwerks) und Bernd M. Wehner (Bundesvorsitzender des KKV Bundesverbandes) anwesend.