Mit einer moderaten Umsatzsteigerung in der Augenoptik wartete der Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) bei seiner Jahrespressekonferenz am 17. April 2012 in Düsseldorf auf: Der Umsatz stieg 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 % auf 5,039 Milliarden Euro (inklusive Mehrwertsteuer).

ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod gab der Presse in der ESPRIT arena in Düsseldorf die aktuellen Wirtschaftszahlen der Branche bekannt. Ohne den Onlinehandel mit Brillen, Kontaktlinsen und Handelswaren (zwei Prozent des Gesamtumsatzes) liegt die Umsatzsteigerung auf dem Niveau der letzten Jahre.

Im vergangenen Jahr wurden 11,1 Millionen Brillen in Deutschland bei stationären Augenoptikern gekauft. „Die insgesamt 34,5 Millionen verkauften Brillengläser zeigen aber aus unserer Sicht, dass immer noch zu oft auf den Kauf einer kompletten Brille inklusive Fassung verzichtet wird“, erklärte Truckenbrod. Die Brillenoptik macht 80,5 % des Gesamtumsatzes aus, der Anteil der Kontaktlinsenoptik beträgt 8,9 % und teilt sich mit den Handelswaren und Hörgeräten die verbliebenen 19,5 % des Umsatzes.

Zahl der Beschäftigten und Auszubildenden steigt

Mit der wachsenden Zahl der Filialbetriebe steigen auch die Zahlen der augenoptischen Betriebe und deren Beschäftigten an: In 12.030 Betrieben, von denen 1.869 einem der zehn größten Filialisten zuzuordnen sind, arbeiten rund 49.000 Augenoptikerinnen und Augenoptiker. Die Beschäftigtenzahl steigt seit einigen Jahren wie die Zahl der Auszubildenden zwar langsam, aber stetig an. Derzeit bilden 6.498 Auszubildende das zukünftige Rückgrat der Branche. Ein erneutes Rekordtief haben die Arbeitslosenzahlen erreicht, und die Zahlen zu Beginn des Jahres 2012 liegen dabei noch einmal unter jenen des vergangenen Jahres. Im März 2012 waren 671 Augenoptiker und Augenoptikerinnen ohne Anstellung.

Konkurrenz durch Filialisten

Im letzten Jahr wurden mehr Brillen bei Filialisten gekauft als beim mittelständischen Augenoptiker. Die zehn umsatzstärksten Filialisten besitzen 15,54 % der deutschen augenoptischen Betriebe und erzielen damit 36,29 % des Branchenumsatzes. Truckenbrod: „Der traditionelle Augenoptiker muss noch mehr auf Dienstleistung, Beratung und Spezialisierung setzen.“ Damit könne er sich für die Zukunft positionieren und deutlich vom aufkommenden Internethandel abgrenzen. Derzeit können sich laut der aktuellen Brillenstudie des Institutes für Demoskopie in Allensbach nur rund fünf Prozent der Brillenträger vorstellen, zukünftig eine Brille im Internet zu kaufen – aber auch dieser Markt wächst.

Kompetenz zeigen und erweitern

Die Augenoptiker tragen einen Großteil zur Versorgung im Bereich des Sehens in Deutschland bei. Nicht zuletzt durch die langen Wartezeiten auf einen Termin beim Augenarzt, wird diese Kompetenz immer wichtiger.

Im März wies das Oberverwaltungsgericht in Bautzen eine Klage des Berufsverbandes der Augenärzte ab, der den Augenoptikern das Recht auf die Fortbildung zum Optometristen absprechen wollte. In der Urteilsbegründung heißt es, dass es keinen Schutz vor unerwünschter Konkurrenz gebe. Ein wichtiges Urteil für die Augenoptik und eine Verpflichtung, auch im Falle des prognostizierten Fachärztemangels als Experte für das gute Sehen, die hochwertige Versorgung in Deutschland mit aufrecht zu erhalten.

Augenoptik in Bewegung

Die Augenoptik sei in Bewegung, meinte Truckenbrod, auch wenn sich manche prozentuale Steigerung und absolute Zahl denen aus den Vorjahren ähneln. Nicht zuletzt sorge die augenoptische Industrie mit ihren immer wieder neuen Techniken, Vergütungen und Materialien dafür, dass der Brillen- und Kontaktlinsenträger von heute über ein „HighTec-Produkt“ verfüge. Selbsttönende Brillengläser färben sich nun auch hinter der Frontscheibe des Autos ein, schädliche UV-Strahlung kann neuerdings auch auf der Rückseite des Brillenglases bei der Reflexion absorbiert werden „und selbst gegen das lästige Beschlagen der Brillengläser gibt es nun ein wirksames Mittel“, erklärte der ZVA-Präsident.

Foto ZVA: Stirnseite von links: ZVA-Geschäftsführer Joachim Goerdt, ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod, ZVA-Pressesprecher Ingo Rütten bei der Pressekonferenz