1. Januar 2012. In vielen Handwerksbranchen sind mehr Jobs offen als Arbeitslose gemeldet. „Handwerksbetriebe investieren daher auf allen Ebenen in die Fachkräftesicherung“, so ZDH-Präsident Otto Kentzler zu Neujahr in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Für 2012 erwartet Kentzler ein Wachstum im Handwerk von mindestens 1,5 Prozent.  

Welche konjunkturelle Entwicklung erwarten Sie im neuen Jahr?
Kentzler:
Die Handwerkswirtschaft wird weiter wachsen, mindestens um 1,5 Prozent. Der Binnenmarkt ist stabil, die Menschen investieren wieder in Werte, statt in faule Papiere.

Welche Folgen hat dies voraussichtlich für den Arbeitsmarkt?
Kentzler:
Die Handwerksbetriebe sind aktuell eine Jobmaschine. Trotz des Generationenwechsels mit vielen aus Altersgründen ausscheidenden Mitarbeitern bauen sie Beschäftigung auf. In vielen Branchen sind längst mehr Jobs offen als Arbeitslose gemeldet. Auf allen Ebenen investieren Handwerksbetriebe in die Fachkräftesicherung: In Qualifizierung der Mitarbeiter, gezielt auch für Ältere, um sie länger im Betrieb halten zu können, in familienfreundliche Arbeitsbedingungen für junge Frauen und Männer, in Nachwuchswerbung.

Welche Entwicklung erwarten Sie im neuen Jahr bei der Euro-Schuldenkrise?
Kentzler:
Wir haben ein Staatsschuldenproblem, keine Euro-Krise. Die EU-Länder müssen zurück zu einer soliden Haushaltspolitik. Wenn das gelingt, steigt auch wieder das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung.

Lassen sich die möglichen Folgen für Deutschland abschätzen?
Kentzler:
Eine weiterhin mögliche „Flutung“ der Finanzmärkte durch EZB-Kredite oder die Bereitstellung von Kreditmöglichkeiten über den IWF birgt die Gefahr einer Inflation im europäischen Währungsraum. Davon wäre auch Deutschland betroffen, insbesondere mittelständische Unternehmen und die Privathaushalte. Für den (Schulden-)Staat ist die Inflation ein Geschäft, Sparer, Rentner und Arbeitnehmern zahlen drauf, ein höchst unsozialer Effekt.

Das Interview führte Jörg Säuberlich (dapd)