Schulhoff vor dem NRW-Handwerksrat: Lehre und Abi sind gleichwerti – Staatsverschuldung droht Hochkonjunktur im Handwerk zu gefährden – Spitzengast Norbert Römer lobt Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftssektor: „Der Geschäftsklimaindex des NRW-Handwerks hält auch in diesem Herbst mit 86 Pro­zent sein Rekordniveau von vor einem Jahr“, konnte der Präsident des Nordrhein-West­fälischen Handwerkstags, Prof. Wolfgang Schulhoff zum Auftakt der Jahresversammlung des NRW-Handwerksrats eine Botschaft der Leistungsstärke des bedeutendsten mittel­ständischen Wirtschaftsbereichs im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands übermitteln. „Und“ – so Schulhoff weiter – „die Betriebe gehen per Saldo davon aus, dass die derzeit hervorragende Lage auch im nächsten Halbjahr stabil bleiben wird.“ Die größ­ten Sorgen bereite dem Handwerk allerdings die „europäische Staatsschuldenkrise histo­rischen Ausmaßes“, trübte Schulhoff am Mittwoch vor dem höchsten Beschlussgremium der NRW-Handwerksorganisation die perspektivische Betrachtung. Die vorgesehene neu­e Eigenkapitalrichtlinie Basel III tauge allerdings nicht als Reparaturwerkzeug. Sie belaste die Genossenschaftsbanken und Sparkassen über Gebühr, deren besondere Risikovorsorge und Mittelstandsneigung „maßgeblich“ zur Stabilität des Handwerks und deutschen Wirtschaft beitrage, so Schulhoff.

Eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen – namentlich der Versorgung des Hand­werks mit gutem Berufsnachwuchs – drohe ferner von Seiten der Kultus­minister­konfe­renz. Diese wolle ungerechtfertigterweise das Abitur und die Fachgebundene Hoch­schul­reife in seiner Wertigkeit als Qualifikations-Level über einem dreijährigen Lehrabschluss ansiedeln. „Damit stellt sich die KMK selbst ins  bildungspolitische Abseits. Die Forde­rungen von Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften gehen geschlossen dahin, Abitur und Lehre gleichwertig auf einer Stufe einzuordnen,“ kommentierte Schulhoff die Positionierung der Kultusminister.

Spitzengast der Handwerksratssitzung war der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Römer. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und würdigte dessen volkswirtschaftliche Bedeutung. „Handwerk ist Vielfalt. Handwerk, das sind in Nordrhein-Westfalen 100 Milliarden Euro Umsatz, über eine Million Arbeitsplätze und eine wieder steigende Zahl von Ausbildungsplätzen,“ so Römer wörtlich. Das nordrhein-westfälische Handwerk sei „von der Krise unbeeindruckt“ geblieben. Römer warb für die Initiativen der Landesregierung und der SPD-Fraktion, die die Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft des Handwerks nachhaltig stärken wollen, namentlich die Handwerksinitiative NRW, die mit ca. 20 Mio. Euro für die nächsten Jahre ausgestattet sei, um Existenzgründungen, Unter­nehmenswachstum und vorausschauende Fachkräftesicherung sowie die Innovations­orientierung des Handwerkes zu unterstützen. Handwerkspräsident Schulhoff dankte für diese politischen Initiativen, kritisierte jedoch das geplante Tariftreue- und Vergabegesetz sowie die bereits verabschiedete Erhöhung der Grunderwerbsteuer. „Wir dürfen weder das Vergaberecht mit einem sachfremden politischen Wunschkatalog über­frachten und die an Ausschreibungen teilnehmenden Firmen durch eine immense Zusatz-Bürokratie überfordern, noch in der jetzigen labilen ökonomischen Gesamtsituation die Steuer­be­lastung der Betriebe erhöhen“, mahnte Schulhoff den Gast stellvertretend für seine Fraktion zu politischem Augenmaß.

Zum Abschluss seiner Tagung beschloss der Handwerksrat einstimmig eine Resolution mit einem Katalog für eine mittelstandsgerechte Ausgestaltung von Basel III. Haupt­forde­rungen: ein Trennbanken-System, das zwischen Depositen- und Investmentbank unter­scheidet, und eine Stärkung des Unternehmenskredits.