Mangel an Berufsschullehrern spitzt sich zu- Erster Eklat in Mönchengladbach – Handwerk mahnt Quereinstieg von Meistern an: Die Leistungsfähigkeit der Berufskollegs im Lande bereitet dem Handwerk zunehmend Sorgen. Für die zahlreichen ausscheidenden Fachlehrer stehen hier viel zu wenige Nachwuchs-Pädagogen oder Referendare bereit.

Seit dem Jahr 2007 haben sich die Handwerkskammer Düsseldorf und die Kreishandwerker­schaften, später auch der Westdeutsche Handwerkskammertag und der Berufsschullehrerverband intensiv über die sich verschärfende bildungspolitische Problematik an den gewerblich-technischen Kollegs ausgetauscht. Wiederholt hat die Kammer seither die Landesregierung zu energischen und nachhaltigen Schritten zur Bekämpfung des Lehrermangels aufgefordert, der sich insbesonde­re in den Bereichen Kfz- und Versorgungstechnik (Elektrotechnik; Installationstechnik) als gravie­rend darstellt. Eine Resolution der Handwerksorganisationen listete Vorschläge zur Behebung des Mangels auf. Alle Vorstöße blieben bislang ohne greifbares Echo.

Nun ist es zu einem ersten Eklat gekommen. Ein größeres Mitgliedsunternehmen des Kraftfahr­zeuggewerbes in Mönchengladbach hat sich aufgrund der unhaltbaren Unterrichtsverhältnisse an einem Berufskolleg der Stadt entschlossen, seine Auszubildenden in eine Filiale in den Kreis Viersen zu verlagern. „Wir befürchten, dass dieses Beispiel im Wortsinn Schule macht“, zeigte sich Kammerpräsident Prof. Wolfgang Schulhoff auf einem eigens anberaumten Pressetermin in der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach besorgt.

„Abmeldungen sind nur das Ende der Fahnenstange. Schon jetzt hat jeder dritte Innungsober­meister im Kammerbezirk Düsseldorf eine Fachlehrerlücke an der örtlichen Gewerbeschule ausgemacht. Und der Generationswechsel an den Berufsschulen schreitet voran, ohne dass ausreichend Pädagogen-Nachwuchs in Sicht wäre. Wir befürchten einen flächendeckende Unterrichtsnotstand an den Berufskollegs dieses Landes“, warnte Schulhoff eindringlich.

Das Handwerk mahnt als Sofortbehelf den Quereinstieg erfahrener Handwerksmeisterinnen und –Meister in den Einsatz an gewerblich-technischen Berufsschulen an. „Die zugespitzte Situation verlangt nach einer unkonventionellen Lösung“, unterstützte Schulhoff den Vorschlag. Darüber hinaus müsse das Land Sofortmassnahmen ergreifen, um die Attraktivität des Berufsbildes und der Berufsausbildung zu steigern. „Für den Fachlehrer an Berufskollegs bedarf es grundlegend neuer Berufslaufbahnkonzepte“, konkretisierte Schulhoff.

„Ohne ausreichende Zahl an qualifizierten Pädagogen an den Berufskollegs können in Nordrhein-Westfalen weder das hohe Ausbildungsangebot des Handwerks noch das duale System der Beruflichen Bildung auf Dauer am Leben erhalten werden,“ brachte Schulhoff die Motivlage des Handwerks für die politische Intervention auf den Punkt.