Carlstadt. Es sind acht Quadratmeter voller Historie. Zwischen Poliermaschine, Schuhregal, Tresen und Nähapparatur auf dem Carlsplatz steht Joachim Djürken. Der Mann mit den blonden Haaren und dem freundlichen Lächeln ist Düsseldorfs einziger Schuhmachermeister in einem Marktwagen. Die Arbeit auf dem Carlsplatz will er nicht mehr eintauschenTraditionelle Maschinen und moderne Surferbänder

Tradition und Moderne wird hier vereint: So hat er in einer Fabrikhalle, in seiner Werkstatt, eine Maschine aus dem 19. Jahrhundert, die Holznägel in Sohlen treibt. „Früher hatte man kein Vertrauen zu Klebstoff“, erklärt der 51-Jährige lächelnd. Das Holz quelle auf und halte so. Gleichzeitig verkauft Djürken Schmuckbänder aus Leder. Die Surferbänder sind bei jungen Kunden beliebt. Denen zeigt der Meister auch, wie man sie am besten knotet, etwa mit einem dekorativen doppelten Galgenknoten.

Mit 16 Jahren machte Djürken seine Ausbildung. Schuhmachergeselle kommen heute noch an Djürkens Marktwagen vorbei. Dann begrüßt man sich mit: „Der liebe Gott schütze unser Handwerk, den Gesellen und den Meister.“ Und dann gebe der Meister etwas für die Wanderschaft mit. „Ab und zu kommt das noch vor“, erzählt Djürken: Solche schönen Bräuche müsse man erhalten.

Seinen Betrieb in Eller gab er auf und steht seit drei Jahren mit dem Marktwagen auf den Carlsplatz: „Der Grund waren meine Kinder“, lächelt er. Nun arbeitet er in der Nähe der Wohnung. Acht, 13 und 15 Jahre ist der Nachwuchs alt. Stolz holt er ein Buch über den Marktplatz hervor, indem er mit seinem jüngsten Sohn abgebildet ist. Beide mit stroh- blonden Haaren.

Auch der Marktwagen hat eine Historie: Djürken fand ihn in Hassels am Straßenrand. Ein alter Blumenwagen, von dem nur der Rahmen erhalten war. Gebaut wurde er in den 1940ern von der Firma Wiese. Immer noch mit den original Vollgummireifen, die bis 1949 von Vorwerk gefertigt wurden, steht er heute auf dem Carlsplatz.

„Das Marktleben hat etwas Bodenständiges und Paradiesisches“, erklärt Djürken. Es sei familiär, die Händler versorgen sich untereinander mit Kaffee, klönen. „Ich möchte das nicht mehr eintauschen.“

Eine ganze Schuhmacherwerkstatt ist im Wagen untergebracht. Djürken repariert Taschen, rettet die geliebten Chucks, erneuert Absätze. So wie die einer jungen Kundin, die gerade am Tresen steht. Einen Absatz hat sie verloren. Der Meister wird’s richten. In einer halben Stunde kann sie die Schuhe wieder abholen. Alles, was Djürken nicht vor Ort erledigen kann, nimmt er mit in seine Werkstatt.

Als Meister näht er die Schuhe selber, fertigt auch handgenähte Rahmenschuhe. Das Besondere: Den letzten Faden, der übersteht, schneidet er erst ab, wenn der Kunde die Schuhe abholt.

Dann sind da noch die Raritäten, die auf acht Quadratmetern ihren Platz im Wagen haben. Ganz besonderes Leder, geprägt wie Schlangenhaut. Lederstränge, die filigran ineinander gewebt sind oder abgenähte Riemen für Sandaletten und Handtaschen.

(Quelle: NRZ von Pirkko Gohlke)