Handwerks-Präsident Otto Kentzler ist sich sicher: Arbeit bis 67 ist keine Zumutung, sondern eine positive Perspektive. In einem Interview für den „Frankischen Tag“ (Bamberg) und die Frankfurter Neue Presse sagt er: „Zahlreiche ältere Menschen finden wieder Bestätigung, seit sie nicht mehr zwangsweise aufs Altenteil geschickt werden.“ Und er warnt: „Leistungsausweitungen belasten auf Generationen die Beitragszahler.“

Noch ein Jahr bis zur Bundestagswahl, Herr Kentzler – aber das erste Wahlkampfthema ist schon da. Hält die Rente mit 67?

Otto Kentzler: Arbeit bis 67 ist und bleibt das richtige Ziel. Dafür werbe ich seit vielen Jahren. Gerade im Handwerk brauchen die Betriebe die Erfahrung älterer Mitarbeiter. Mit Qualifizierungen bleibt das Wissen auf dem neuesten Stand. Vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen helfen dabei, dass auch physisch für immer mehr Menschen Arbeit bis 67 keine Zumutung, sondern eine positive Perspektive ist.

Das klingt positiver als viele es gerade erleben. Noch immer halten sehr wenige auch nur bis 65 durch – oft , weil man sie nicht durchhalten lässt.

Kentzler: Der Trend geht ganz klar nach oben – immer mehr Menschen über 60 arbeiten. Aber Politik und Gewerkschaften haben gemeinsam mit Großbetrieben mehr als zwei Jahrzehnte die Frühverrentung propagiert – das merken wir heute. Steuer- und Beitragszahler wenden für die Generation der Frührentner Milliarden Euro jährlich auf. Und in den Statistiken tauchen sie natürlich auch auf – als nicht arbeitende Menschen über 58 verfälschen sie die Realität.

Die Realität der Rente mit 67 sind vor allem Rentenkürzungen, sagt DGB-Chef Michael Sommer…

Kentzler: …es gibt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die krankheitsbedingt vor dem 67. Lebensjahr ausscheiden müssen. Hier brauchen wir flexiblere Lösungen. Aber denen verschließen wir uns nicht. Wir sind uns im Rentendialog dazu ja auch schon sehr nahe gekommen.

Dass Sie als Arbeitgebervertreter gut im Gespräch mit dem obersten Gewerkschafter sind, nützt dem seit Kurt Beck sprichwörtlichen Dachdecker wenig bis nichts. Ist die Rente mit 67 nicht gerade im Handwerk für viele einfach eine Zumutung?

Kentzler: Der körperliche Verschleiß ist in den Berufen dank vieler Hilfsmittel längst nicht mehr so groß wie noch vor ein, zwei Generationen. Und wir sollten auch die positive Seite der Medaille sehen: Zahlreiche ältere Menschen finden wieder Bestätigung, seit sie nicht mehr zwangsweise aufs Altenteil geschickt werden, sondern am Arbeitsplatz willkommen sind. Im Handwerk fällt es den Betrieben leichter, flexible Arbeitsbedingungen zu schaffen. Der DGB könnte viel dazu tun, dass sich auch in den Großbetrieben die Arbeitskultur zugunsten Älterer wendet.

Bis es so weit ist, werden viele zu früh in den Ruhestand gehen und mit zu wenig Rente leben müssen. Sollte die Bundesregierung nicht besser auf die Beitragssenkung verzichten und die Überschüsse verwenden, um der Altersarmut Herr zu werden?

Kentzler: Die Senkung ist erstens gesetzlich vorgeschrieben, zweitens ist sie richtig. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sparen Geld. Damit kann der teilweise schwächelnde Binnenmarkt weiter angekurbelt werden. Leistungsausweitungen belasten auf Generationen die Beitragszahler.

Aber die Union plant Rentenpräsente: mehr Erziehungsjahre für Mütter, die Zuschussrente für Geringverdiener, mehr Geld für die Erwerbsunfähigen – insgesamt zehn Milliarden. Was halten Sie von solchen Wahlgeschenken?

Kentzler: Jetzt beschlossene Mehrausgaben werden von kommenden Generationen zu schultern sein. Denn sogar 2012 wird die Neuverschuldung steigen – trotz der höchsten Steuereinnahmen in der Geschichte des Landes. Die Rente nach Mindesteinkommen schlüge beispielsweise mit drei  Milliarden Euro zu Buche. Sie ist 1999 abgeschafft worden, weil sie teuer war, aber ihr Ziel, die Armutsbekämpfung, weitgehend verfehlte. Und die Ausweitung der Kindererziehungszeiten würde in einigen Jahren Rentnerinnen betreffen, die in der Mehrheit im familiären Kontext gut abgesichert sind.

Interview: Cornelie Barthelme