Für Wirken als Theologe der Katholischen Soziallehre und als „moralische Autorität“ – Kirchenführer legt Bekenntnis zu wertegebundener ökonomischer Ordnung der Sozialen Marktwirtschaft ab: S. Em. Karl Kardinal Lehmann ist am Donnerstag in Köln mit dem Europäischen Handwerkspreis ausgezeichnet worden. Die Ehrung erfolge „in Anerkennung der moralischen Autorität, die er durch sein öffentliches Wirken über viele Jahrzehnte hinweg in großen ethischen Debatten über das Land ausstrahlt, für sein Lebenswerk als Theologe und Kirchenführer von europäischem Rang, und für seine besonderen Verdienste um die Weiterentwicklung der Katholischen Soziallehre“, begründete der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages, Andreas Ehlert die Ehrung in seiner Laudatio. „Kardinal Lehmann hat die Bedeutung der christlichen Ethik, insbesondere der katholischen Soziallehre und des in ihr begründeten Subsidiaritätsprinzips, immer wieder öffentlich als unverzichtbaren Maßstab für die europäische Union herausgestellt“, konkretisierte Ehlert die Verleihungsgründe. Kardinal Lehmann genieße besonderes Gehör auch außerhalb der Katholischen Kirche, da er zu maßgeblichen gesellschaftlichen Debatten bis heute auch theologisch immer wieder anstelle der Dogmatik das Gemeinsame und Verbindende betone.

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters stellte in seiner Begrüßung auf die traditionell engen Beziehungen der beiden rheinischen Erzbistümer und Städte ab. Zu den Leistungen des Mainzer Kardinals gehöre, diese Verbindung „noch weiter vertieft“ zu haben. Dies bestätigte für die episkopale Seite auch Kölns Weihbischof Manfred Melzer in seiner Glückwunschadresse an Kardinal Lehmann; er sprach stellvertretend für den terminlich verhinderten neuen Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der Präsident der Handwerkskammer zu Köln und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, unterstrich seinerseits die Facette der „besonderen Integrität und Lebensnähe“ der Persönlichkeit des langjährigen früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (1987-2008). Und auch Landeshandwerks- und –Wirtschaftsminister Garrelt Duin betonte dessen gesellschaftsintegrative Facette: „Kardinal Lehmann gehört zu den Menschen, die uns Orientierung geben.“

Karl Kardinal Lehmann legte in seiner Dankesreplik und in einem anschließenden Vortrag unter der Überschrift „Einige Anmerkungen zum Verhältnis von Markt und Ethik“ vor rund 200 geladenen Gästen im Hansasaal des Historischen Rathauses der Domstadt ein Bekenntnis zur wertegebundenen ökonomischen Ordnung der Sozialen Marktwirtschaft ab. Das Streben nach Existenzsicherung, Wohlstand und Anerkennung sei Bestandteil eines ethischen Marktgeschehens und dürfe nicht mit „verwerflicher egoistischer Selbstliebe identifiziert“ werden. Große Wertschätzung bekundete der Kardinal dem auslobenden Wirtschaftsbereich gegenüber. „Echtes Handwerk hat mit wahrer Kunstfertigkeit zu tun.“ Dies werde „in unserer zu sehr auf Kopfarbeit und die akademischen berufe zugespitzten Einschätzung unterschätzt“. Lehmann wandte sich dezidiert gegen Bestrebungen in der europäischen Gesetzgebung, die die Ordnung des Handwerks und namentlich den Meistertitel gefährdeten.

Der NWHT vergab den Europäischen Handwerkspreis zum siebzehnten Mal. Die Auszeichnung wird in zweijährlichem Rhythmus von der Landeshandwerksvertretung Nordrhein-Westfalens verliehen. Zum zweiten Mal war die Stadt Köln Kooperationspartner und Ausrichter der Preisverleihung. Träger des „Europäischen Handwerkspreises“ in der Vergangenheit waren unter anderen Bundespräsident a.D. Prof. Roman Herzog, Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl, EU-Kommissar Karel van Miert, der belgische Ministerpräsident a. D. Leo Tindemans, der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker und die Ministerpräsidenten a.D. Johannes Rau und Kurt Biedenkopf, Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, der Soziologe Richard Sennett und der Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands a.D., Nikolaus Schneider.

Das Foto zeigt Kardinal Lehmann mit (v.l.) ZDH-Präsident Wollseifer, NWHT-Präsident Ehlert, NRW-Wirtschaftsminister Ehlert, Weihbischof Melzer und dem Kölner OB Roters (Fotograf Wilfried Meyer)