Vor allem Handwerkerinnen begeistern sich immer stärker für die Aufstiegsfortbildung: Die Meisterprüfung findet unter jungen Handwerkern wieder mehr Zuspruch. An der Düsseldorfer Meisterschule, der größten in der Republik, haben im vergangenen Jahr 1619 Junghandwerker­innen und -handwerker die vier Module der Meisterfortbildung (Fachtheorie und -praxis, Berufs­pädagogik und Betriebswirtschaft) in Angriff genommen – 412 mehr als im Jahr davor. Das war die zweitgrößte Schar an Meisteranwärtern in fünfzehn Jahren. 1033 Prüfungsteilnehmer waren unterm Strich erfolgreich. Sie werden am kommenden Sonntag in der Düsseldorfer Stadthalle die begehr­ten Meisterurkunden ausgehändigt erhalten. Festlicher Rahmen ist die größte handwerkspolitische Kundgebung der Republik: die Düsseldorfer Meisterfeier. Sie findet zum 62. Mal statt. Festredner vor 2500 Teilnehmern wird Landesarbeits- und -Sozialminister Guntram Schneider sein.

Die Absolventenzahlen bewegen sich damit auf dem guten Niveau des Vorjahres (1042). „Der Ab­wärtstrend gegen Ende des letzten Jahrzehnts ist überwunden. Der Karriere-Königsweg im Hand­werk strahlt neue Attraktivität aus,“ freute sich Kammerpräsident Prof. Wolfgang Schulhoff am Donnerstag auf einer Pressekonferenz der Kammer in der Landeshauptstadt über die Renaissance der Meisterqualifikation. Und auch die herausragende Geltung der Meisterfortbildung als „Unter­nehmerschule der Nation“ wird durch die neuesten Zahlen erneut untermauert: annähernd jeder zweite Jungmeister plant nach eigenen Angaben die Unternehmensgründung oder -übernahme oder hat diesen Schritt bereits vollzogen, so das Ergebnis einer flächendeckenden Befragung aller Meisterabsolventen im Kammer- bzw. Regierungsbezirk Düsseldorf.

Für die Hausse an der größten deutschen Meisterschule sorgen vor allem die karrierebewussten Frauen in der Branchengruppe der Gesundheitshandwerke: Weiblich dominiert waren die Meister­kurse etwa im Augenoptiker- und im Friseurhandwerk. Alle Meisterberufe zusammengenommen bestanden 278 Aspirantinnen die Prüfung. Der weibliche Anteil an den Absolventen kletterte auf 27 Prozent. Im Jahr 2005 hatte die Frauenquote noch 19 Prozent betragen. Nicht überraschend, dass die Meisterklassen im Branchencluster Gesundheit und Beauty einen regelrechten Run verzeich­ne­ten. Die insgesamt 323 Meisterabsolventen in den handwerklichen Gesundheitsberufen – darun­ter alleine 239 Nachwuchs-Coiffeure mit Meisterbrief – markieren einen neuen Höchst­stand. „Die Popularität besonders dieses Kreativ-Handwerks hat in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zugenommen,“ erläuterte der Kammerpräsident.

Besonders hohe Teilnehmerzahlen registrierte die Kammer jedoch auch in den großen techni­schen Meisterberufen im Bau- und Ausbauhandwerk (231) sowie in der Branchengruppe Elektro und Metall. 470 mal Meisternachwuchs haben in diesem Jahr die Metall- und Elektrohandwerke aus Düsseldorf erhalten – der zweitbeste Wert (Vorjahr 497) seit 20 Jahren. „Die verbesserte Bau­konjunktur, die wieder gestiegene Bedeutung der energetischen Gebäudesanierung und anziehen­de neue Marktfelder wie die E-Mobility schlagen auf den Bedarf an gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften auf Meisterniveau durch“, wertete Schulhoff den Trend.
In insgesamt 34 Handwerksberufen legten die Meisterschüler Prüfungen ab. Erneut besonders wenige – 44 (Vorjahr 30) Handwerkerinnen und Handwerker – erwarben den Meistertitel in den seit 2004 zulassungsfreien Berufen. „Damit die Qualifizierungskette Lehrling – Meister – Ausbilder in Berufen wie dem Fliesenlegerhandwerk, Raumausstatter, Schneider- und Goldschmiedehand­werk nicht reißt, muss es auch in diesen Handwerken wieder eine Qualifizierungspflicht geben,“ mahnte Schulhoff an die Adresse der Bundespolitik.

Sieben Prozent der Jungmeisterinnen und Jungmeister sind ausländischer Herkunft. Sie kommen aus 19 Ländern. Darunter der US-Amerikaner Jeremy Fisher, der in Düsseldorf den Meistertitel im Tischlerhandwerk erwarb, und die in Krefeld lebende Peruanerin Yajaida Sofia Rütten, die die Prüfung zur Maßschneidermeisterin bestand. Schulhoff: „Der deutsche Meistertitel ist in immer stärkerem Maß ein international begehrtes Label.“

Die meisten Jungmeister sind im Rhein-Kreis Neuss zuhause (90), gefolgt von der Landeshaupt­stadt (82), den Kreisen Mettmann (75) und Viersen (73), den Städten Essen (66) und Wuppertal (59) sowie den Kreisen Kleve (59) und Wesel (57). Den stärksten Anstieg an Neu-Meistern ver­zeichnete Wuppertal mit acht Jungmeistern mehr als noch im Jahr zuvor. Der jüngste erfolgreiche Prüfling war Friseurmeisterin Priscilla Klapper aus dem hessischen Stahlhofen, die als 19-Jährige bereits ihre Meisterfertigkeit nachweisen konnte. Der älteste „Jung“meister ist Metallbauermeister Hans-Dieter Bergenthun. Der 52-jährige Duisburger hatte 35 Jahre nach der Gesellenprüfung die Entscheidung getroffen, durch den Erwerb der Meisterqualifikation eine höhere Position in seinem angestammten Unternehmen anzupeilen.