Als wichtigen Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor, aber auch als überaus innovativ haben Experten vor der Enquete-Kommission des nordrhein-westfälischen Landtags zur Zukunft des Handwerks die Bauwirtschaft beschrieben. Der Hauptgeschäftsführer der Baugewerblichen Verbände (BGV), Lutz Pollmann, wies als einer der Redner auf Neuentwicklungen bei den Baustoffen und Bauverfahren hin. Als Beispiele nannte er neue Betontechnologien, die Klebetechnik, die Maschinensteuerung über GPS oder die Nutzung von Drohnen und Lasern. Tiefgreifende Änderungen werde der Einsatz des Building Information Management (BIM) bringen, im Allgemeinen beschrieben als „erst virtuell in Modellen und danach erst real bauen“. Nicht zuletzt dazu forderte Pollmann Flankierungen durch den Staat zugunsten der kleinen und mittleren Bauunternehmen, damit sie den Wandel bewältigen.

Die Kommission hatte für einen Vormittag die Bauwirtschaft zum Informations- und Beratungsschwerpunkt erkoren. „Außenstehende mögen den Eindruck haben, in unserer Branche würde sich relativ wenig verändern. Dieses Bild ist jedoch falsch – sowohl mit Blick auf die Materialien und Maschinen als auch auf die Prozesse und innerbetriebli-chen Abläufe“, unterstrich Pollmann in seinem Statement. Mitgliedsbetriebe der in den BGV zusammengeschlossenen Innungen seien „sogar ganz vorne mit dabei: Einer hat die Entwicklung von Flüsterasphalt mit vorangetrieben, adere sind Vorreiter beim Einsatz von Drohnen oder bei dem, was als Digitalisierung des Bauens unter dem Schlagwort Bauen 4.0 zusammengefasst wird“. Auch die Vorfertigung von Bauteilen unter anderem in Abbundzentren sei für viele Unternehmen längst Alltag, etwa bei Dachstühlen oder bei Gebäuden in Holzbauweise.

Viele dieser Innovationen hätten die Arbeit in den Betrieben und auf den Baustellen erleichtert, sie sicherer und saube-rer gemacht. Bauen in all seinen Facetten bestehe zuneh-mend weniger aus Hand- denn aus Kopfarbeit. Man sei demnach nicht nur mit der Schaufel, sondern auch am Joy-stick tätig, fasste Pollmann den Trend in ein Bild. „Damit steigen die Anforderungen an die Unternehmer und die Mitarbeiter, diese Techniken und die geänderten Prozesse und Abläufe zu beherrschen. Und es steigt der Kapitalbedarf.“

Auf der anderen Seite, so die Diagnose des BGV-Hauptgeschäftsführers vor der Enquete-Kommission, nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Die Zahl der Anbieter steige und die Aufträge würden immer öfter nur noch nach Kosten-aspekten, also an den billigsten Bieter vergeben. „Das Preisniveau ist vielfach unter die Linie gedrückt worden, die eine Auskömmlichkeit und damit eine nachhaltige Unter-nehmensführung inklusive Aus- und Weiterbildung sowie Einhaltung der Steuer- und Sozialabgabenpflichten ermög-licht.“ Daneben hätten Vorschriften und andere politische Eingriffe das Bauen erheblich verteuert und verkompliziert. „Dies steht im krassen Widerspruch zur Tatsache, dass wir schnellstens einen enormen Anstieg beim Wohnungsbau schaffen müssen. Über mehrere Jahre hinweg brauchen wir bundesweit pro Jahr 400.000 neue Wohnungen. Kräftige finanzielle Anreize für Bauinteressenten und der Abbau von Regulierungen sind da das eindeutige Gebot der Stunde“, schrieb Pollmann der Politik ins Stammbuch.

Als Experten wurden von der Enquete-Kommission auch die Professoren Manfred Helmus (Wuppertal) und Reinhold Rauh (Siegen), der Bauexperte Rechtsanwalt Michael Hal-stenberg, die alle mit den BGV verbunden sind, sowie der Mönchengladbacher Bauunternehmer Ernst Kreuder ge-hört. Er schilderte vor allem die Einführung und Umsetzung von BIM in seinem Betrieb. Zu dieser Planungs- und Baumethode hatte Lutz Pollmann angemerkt, ihre Einführung in Deutschland müsse unbedingt darauf abgestimmt sein, dass bei uns sowohl bei den Planern als auch bei den Bauausführenden die kleineren und mittleren betrieblichen Ein-heiten dominieren. BIM dürfe nicht „zum Steigbügelhalter dafür werden, dass Großkonzerne und Generalübernehmer-Formen weiter an Boden gewinnen“. Auch die staatlichen Stellen bräuchten mehr Zeit, sich auf BIM einzustellen. Es müsse daneben verhindert werden, dass die Bau-firmen bei ihren Auftraggebern zu „gläsernen Unternehmen“ werden hinsichtlich ihrer Zulieferer und ihrer Kalkulation