Es ist bereits eine jahrelange Irrfahrt durch die Stadt Düsseldorf. Nachdem sich Verwaltung und Politik einmütig für einen Neubau des Albrecht-Dürer-Berufskollegs – zur Zeit mit Hauptsitz am Fürstenwall 100 und weiteren Dependancen – ausgesprochen hatten, begann die Suche nach einem Standort. Zuerst war ein Standort neben unseren Überbetrieblichen Lehrwerkstätten (ÜBL) und der Handwerkskammer an der Völklinger Straße im Gespräch. Dann wurde das brachliegende Thyssen-Krupp-Gelände in Benrath favorisiert.

Erste Bodensondierungen erbrachten jedoch eine nicht geringe Bodenbelastung mit Schadstoffen. So kam man daraufhin mit einem – aber nur kurz diskutierten – Abstecher an der Moskauer Straße in Oberbilk dann zurück nach Bilk. Die Stadtverwaltung hatte sodann die Völklinger Straße endgültig ins Auge gefasst … bis dann der
frischgewählte Oberbürgermeister Thomas Geisel erneut Benrath und eine Entwicklung des Thyssen-Krupp-Geländes aufgriff.

Nach der Kommunalwahl haben SPD, Grüne und FDP in der neu zusammengefundenen Ratsmehrheit in ihre Kooperationsvereinbarung wörtlich geschrieben: „Bei der zukünftigen Entwicklung der Berufskollegs nehmen wir die Rolle Düsseldorfs als Ort mit überregionaler Bedeutung in der Berufsbildung ernst. Wir werden dies unter Einbeziehung der Kammern und der IHK bei Ausbau und Erhalt dieser Schulform verantwortungsvoll berücksichtigen. Wir werden den Neubau des Albrecht-Dürer-Berufskollegs schnellstmöglich realisieren.“

Nun jedoch wurde die Verwaltung vom Oberbürgermeister mit einer gründlichen Prüfung des Standortes Benrath beauftragt – insbesondere hinsichtlich der Schadstoffbelastung. Weiterhin beauftragte die Ratsmehrheit die Verwaltung zudem, ein Raum- und Funktionsprogramm zu erstellen. Das sieht zurzeit alles andere als „schnellstmöglich“ aus. Die bereits beschlossene Übernahme einer IDR-Tochterfirma in direkte städtische Regie mit dem Zweck Ausoder Neubauten von Schulen gebündelt zu beauftragen, mag langfristig und nach einer gewissen Einspielzeit und Konsolidierung die richtige Entscheidung sein. Für die Befürworter einer dringenden Umsetzung des Neubaus der Albrecht-Dürer-Schule ist das jedoch ein Schlag ins Gesicht.

Sowohl Kreishandwerkerschaft als auch Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer haben sich für einen Standort an der Völklinger Straße ausgesprochen. Die für Bilk zuständige Bezirksvertretung 3 hat mit den Stimmen aller dort vertretenen Parteien einstimmig die Realisierung dort befürwortet und den Oberbürgermeister aufgefordert, die Planungen für diesen Standort unverzüglich umzusetzen.

Der Standort Bilk bietet alle Möglichkeiten einer schnellen Realisierung: die erforderlichen Grundstücke sind in städtischer Hand, der Flächennutzungsplan müsste nicht geändert werden, ein Bebauungsplan ist nicht zwingend erforderlich. Weiterhin sind die Verkehrsverbindungen an das Düsseldorfer Schnellstraßensystem optimal, ebenso S-Bahn, Straßenbahn- und Busverbindungen Richtung Hauptbahnhof oder auch in umliegende Gemeinden sind vorhanden. Synergieeffekte sind mehrfach möglich durch kurze Wege für die Pädagogen an Schule und Überbetrieblichen Lehrwerkstätten, für die Schüler mit Theorie und Praxis – eventuell müssen sogar nicht alle handwerklichen Fachräume vollumfänglich angelegt werden, da moderne Technik auch in der ÜBL genutzt werden kann. Eine für die sportliche Ertüchtigung der Schülerinnen und Schüler notwendige Dreifach-Sporthalle kann möglicherweise auch auf nahem Gelände in Kooperation mit einem Sportverein errichtet werden.

Dies alles könnte einen Baubeginn in 2016 möglich machen. Das Berufskolleg ist am Fürstenwall baulich teilweise in einem erbärmlichen Zustand. Manche Fachräume sind gar nicht mehr nutzbar, so dass der dort eigentlich durchzuführende fachpraktische Unterricht nur noch theoretisch durchgeführt werden kann. Die rasante technische Entwicklung macht zudem Modernisierungen nötig, die zur Zeit nicht umgesetzt werden können. Mit hohem Aufwand versucht das Handwerk junge Menschen für einen handwerklichen Beruf über die Imagekampagne zu begeistern. Wenn man Schülerinnen und Schüler in ihrer Berufsorientierungsphase für eine handwerkliche Ausbildung gewinnen will, darf es an moderner technischer und räumlicher Einrichtung nicht mangeln. Das Bild für die künftigen Auszubildenden muss einfach „rund“ sein. Sonst werden sich immer mehr junge Menschen vom Handwerk als Beruf abwenden.

Insoweit appellieren wir an Oberbürgermeister und die ihn mittragende Ampelkoalition nunmehr schnell zu handeln und einen möglichen Baubeginn nicht weiter auf die lange Entscheidungsbank zu legen. Es ist höchste Zeit, das Votum der Kammern zu berücksichtigen und noch in 2016 den ersehnten Baubeginn für das Berufskolleg umzusetzen.

An der Völklinger Strasse ist dies möglich!

Quelle: Handwerk Magazin