Schulhoff konstatiert erhebliche Defizite bei Energie und Bildung – Festredner Norbert Röttgen kündigt Bewegung bei der Förderung der Energetischen Sanierung an:  Die 63. Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf geriet zu einem Hochamt für den jüngsten Meisterjahrgang 2011 an Rhein, Ruhr und Wupper. Sowohl Bundesumweltminister Norbert Röttgen als auch der Präsident der gastgebenden Kammer, Prof. Wolfgang Schulhoff wie auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers und die per Videoeinspielung gratulierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft würdigten die Bildungsanstrengung der Meisterabsolventen und rühmten die Bereitschaft der Absolventen zu unternehmerischer Selbstständigkeit und künftiger eigener Ausbildungsleistung.

Im Rahmen seiner Begrüßungsansprache warf der Präsident der Kammer, Professor Wolfgang Schulhoff aber auch einen kritischen Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Landes. Zwar werde es konjunkturell nach einem deutlichen Wachstumsrückgang in 2011 im Laufe des Jahres 2012 „wieder aufwärts gehen.“  Günstige Indikatoren gäben die zu Optimismus Anlass, beispielsweise sehr positive Ausblicke in den Leit- Branchen, einen ungewöhnlich gesunden Arbeitsmarkt und die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Deutlich mehr Sorgen als die konjunkturelle Entwicklung, so Schulhoff, mache ihm derzeit die „strukturelle Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik“. Diesbezüglich gebe es „dringenden Handlungsbedarf“. Gut ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima sei die „Gretchenfrage“ weiterhin unbeantwortet: „Wie soll das Energieland Deutschland in Zukunft aussehen?“ Fest stehe, so der Präsident, dass Deutschland auf ein Gleichgewicht aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit des künftigen Energieangebots achten müsse: „Die Energiewende kann ohne einen Energie-Mix nicht gelingen.“ Dessen genaue Struktur sei den Unternehmen derzeit noch völlig unklar. Und das, obwohl die die mit einer Energiewende  verbundenen Herausforderungen „gewaltig“ seien. Schulhoff: „Klar ist: es bedarf einer völlig neuen Energie-Infrastruktur mit neuen Speicherkapazitäten und neuen Leitungstrassen.“ Angesichts der Hürden, die benötigten Kapazitäten schnell generieren zu können, forderte Schulhoff als „derzeit nahe liegendste Lösung: Energie sparen!  Deshalb  könne nicht länger angehen, dass die steuerliche Förderung der Energetischen Sanierung „seit Monaten zwischen Baum und Borke, zwischen Bundestag und Bundesrat“ hänge. Schlimmer jedoch sei es, so Schulhoff, dass er ganz grundsätzlich in der Energiefrage wie auch bei anderen Großprojekten einen „nationalen Konsens“ vermisse, eine allgemeine Verantwortungsbereitschaft, auch die Konsequenzen für bestimmte Entscheidungen, beispielsweise für den Atomausstieg zu tragen.

Ebenfalls ein Schlüsselthema für die Zukunft unserer Kinder sei das Thema Bildung. Zwar lobte Schulhoff den diesjährigen Festredner, Minister Dr. Norbert Röttgen, für dessen Beteiligung am Zustandekommen des sogenannten „Schulfriedens“ in NRW. Strukturell jedoch gebe es auch im Bereich der Bildung erhebliche Probleme: So mische man sich auf europäischer Ebene immer wieder auch in die nationale Bildungspolitik Deutschlands ein. Dabei ignoriere Brüssel den wichtigsten Grundsatz der Bundesrepublik: „Allgemeine und berufliche Bildung sind gleichwertig!“ Die Forderung, Deutschland solle seine Studentenzahlen erhöhen, wies Schulhoff energisch zurück.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen schloss sich in seiner Festrede dem Kammerpräsidenten an und warf ebenfalls einen Blick über die Landesgrenzen hinaus. „Die duale Ausbildung und die Meisterschulen – das vor allem unterscheidet unsere hiesigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktstrukturen von jenen in anderen europäischen Ländern, wo es im Gegensatz zu Deutschland Quoten der Jugendarbeitslosigkeit von 20, 30 und 40 Prozent gibt.“ In den Mittelpunkt seiner Festrede stellte Röttgen eine Bestandsaufnahme der Klimawende in Deutschland und würdigte den Beitrag des Handwerks zum Erreichen des CO2-Minderungsziels. Röttgen stellte „Bewegung“ bei Bund und Ländern hinsichtlich der Forderung des Handwerks nach einer Steuerförderung der energetischen Gebäude-Modernisierung in Aussicht. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft blickte auf Weichenstellungen der Landesregierung zugunsten des Handwerks zurück, insbesondere die Landesprogramme „Zukunftsinitiative Handwerk“ und „Meistergründungsprämie“.