Eine vergleichsweise seltene Ehrung wurde „einem Großen unserer Branche“ zuteil: Der Fachverband Ausbau und Fassade NRW zeichnete seinen Vorsitzenden, Rolfgeorg Jülich, wegen seiner langjährigen Verdienste auf Landes- und Bundesebene mit der Goldenen Ehrennadel aus. Der Präsident der Baugewerblichen Verbände, Rüdiger Otto, dankte Jülich für diesen Einsatz und die Interessenvertretung zugunsten des Berufsstandes. Er habe dessen Außendarstellung entscheidend geprägt. Zugleich hob Otto auch ganz persönlich die Unterstützung durch Jülich hervor, die dieser ihm bei der Amtsführung geleistet habe.

Seit 2003 ist Rolfgeorg Jülich Obermeister der Stuckateur-Innung Düsseldorf beziehungsweise jetzt Düsseldorf-Neuss. Im gleichen Jahr wurde er zum Vorsitzenden des Fachverbands gewählt, der damals noch Landesverband Putz-Stuck-Trockenbau hieß. Auch im Bundesverband Ausbau und Fassade ist der Mitgesellschafter des traditionsreichen Düsseldorfer Fachunternehmens Heinrich Mai & Sohn aktiv. Besondere Erwähnung verdient nach Überzeugung Ottos, dass Jülich sich 2013 trotz dieses vielfältigen Engagements bereiterklärt hat, als neuer Vorstandsvorsitzender die Bildungszentren des Baugewerbes in sichereres Fahrwasser zu führen. Als leidenschaftlicher Segler habe er dafür wohl eine besondere Begabung, vermutete der Verbandspräsident.

Jülich selbst bedankte sich vor allem für die Unterstützung, die ihm die Mitstreiter im Fachverband hätten zuteilwerden lassen. Einem davon verlieh er gleich selbst die Silberne Ehrennadel: Norbert Kehrbusch gehört seit 2006 dem Vorstand an, nachdem er 1997 zum stellvertretenden Obermeister der Stuckateur-Innung Niederrhein-Wesel gewählt worden war und 2014 zu deren Obermeister. Man könne ihn als kritischen Geist bezeichnen, der vieles von dem hinterfragt habe, was andere als selbstverständlich hinnehmen würden, beschrieb Jülich Kehrbusch. „Damit hat er uns des Öfteren zum Nachdenken gezwungen und zur Überprüfung, ob die eingefahrenen Gleise noch taugen.“

Die Mitgliederversammlung des Fachverbands Ausbau und Fassade war eröffnet wurden durch ein Referat von Ralph Bombis, des Vorsitzenden der Enquetekommission Handwerk im Düsseldorfer Landtag. Dieses „bundesweit einmalige“ Gremium rücke „mindestens bis zum Ende der Legislaturperiode das Handwerk in den Mittelpunkt des politischen Interesses“, meinte er. Es solle mit Hilfe von Experten und durch mehrere Gutachten dem Wirtschaftsbereich „für morgen und übermorgen positive Perspektiven aufzeigen“. Dazu sei jedoch auch der „Input“ aus den Betrieben selbst nötig, warb der FDP-Abgeordnete.

Zur aktuellen Politik merkte er an, bei den Anforderungen vor allem an die Unternehmen dürfe nicht „immer noch mehr draufgesattelt werden“. Das sage er unter anderem mit Blick auf den Landes-Entwicklungsplan, die Landes-Bauordnung und das Landes-Naturschutzgesetz. Es drohe die Überregulierung. Auf der anderen Seite müsse an der Meisterqualifikation im Handwerk unbedingt festgehalten werden. Das gebiete der Verbraucherschutz ebenso wie die positiven Auswirkungen der Meisterpflicht auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Bombis: „Es ist ein Treppenwitz, dass angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern um uns herum und angesichts der Anerkennung, die unser duales Berufsbildungssystem endlich allseits erfährt, noch immer über eine Aushöhlung dieses Systems gesprochen wird inklusive einer möglichen Abschaffung der Meisterpflicht.“

Auch die Verbandsmitglieder warnten, die „Kultur der Ausbildung“ gehe „mehr und mehr verloren“. Der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe trage dazu bei, aber auch die erweiterten Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen und dann auch mit dem eigentlichen Beruf „verwandte“ Tätigkeiten auszuüben.