Die OECD hat ihren neuen Bildungsbericht vorgelegt, in dem die Entscheidung von Akademikerkindern, eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, erneut als Bildungsabstieg bewertet wird. Dazu erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) gegenüber der Zeitung Die Welt:

„Die OECD sollte endlich anerkennen, dass hohe Akademikerquoten allein die Leistungsfähigkeit eines Landes nicht erhalten können. Deutschlands Wirtschaft ist erfolgreich, gerade weil es seine Arbeitskräfte sowohl aus der beruflichen als auch aus der akademischen Bildung gewinnt. Beide Systeme sind bei uns zu Recht als gleichwertig akzeptiert – das sollte endlich auch die OECD einsehen.

Die Akademikerquote ist in Deutschland zuletzt stark gestiegen. Zu den negativen Nebenwirkungen gehört nicht nur der zunehmende Fachkräftemangel, sondern insbesondere auch eine vergleichsweise hohe Anzahl junger Menschen, die ihr Studium nicht abschließen. Um die Abbrecherquote zu senken, braucht es neben mehr Beratung während des Studiums eine frühe, allumfassende Studien- und Berufsorientierung in allen Schulen – auch und vor allem an Gymnasien. Diese dürfen junge Menschen nicht ausschließlich in Richtung Studium schicken, wo sie zum Teil gar nicht richtig aufgehoben sind. Ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland mit seiner erfolgreichen mittelständischen Unternehmensstruktur kann es sich gar nicht leisten, junge Leute nur einseitig zu beraten und möglicherweise in eine universitäre Sackgasse laufen zu lassen.

Das vielschichtige deutsche Bildungssystem wird in den Statistiken der OECD wieder einmal überhaupt nicht abgebildet. Völlig unberücksichtigt bleibt: Hochwertig beruflich Qualifizierte sind ebenso selten von Arbeitslosigkeit betroffen wie Akademiker. Meister und Techniker verdienen im Laufe ihres Berufslebens im Durchschnitt etwa genauso viel wie Akademiker. Und die sogenannte Bildungsrendite ist in der beruflichen Bildung sogar oft deutlich höher als an der Uni.“

Quelle: ZDH