Die renommierte Verkaufsausstellung im Foyer der Handwerkskammer öffnet ihre Pforten in diesem Jahr vom 26.11. bis 4.12.: Gedeckte, irdene Farben, von der klassischen Moderne inspirierte Schnitte, Linienführungen und Kör­per­formen, haltbares, wertiges Material in sparsamen Kontrasten und sorgfältigster Verar­bei­tungs­qua­lität: im gehobenen Kunsthandwerk dominieren derzeit nicht die „Wilden Jahre“. Dieser Eindruck drängt sich beim Bummel durch die renommierte weihnachtliche Verkaufsausstellung UNIKATE ALS PRÄ­SEN­TE 2011 im Atrium-Foyer der Düsseldorfer Handwerkskammer am Georg-Schulhoff-Platz auf.

Vier Arbeitsschwerpunkte ragen besonders heraus: die Keramik, Schmuck, textile Einzel­schöpfun­gen und das Holz in raumgestaltender Verwendung. 43 ausgewählte Spitzenkönner aus dem Kunsthand­werk – darunter zehn Gäste aus der gesamten Republik – präsentieren in diesem Jahr. Vertreten sind im übrigen die Sparten Glas, Leder, Textil, Papier und Stein. Erneut zeigen auch mehr als ein halbes Dutzend NRW-Staatspreisträger aktuelle Arbeiten. Die Ausstellung ist vom Samstag, 26. November bis einschließlich Sonntag, 4. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr ge­öffnet. Der Eintritt ist frei.

Zum Ausgleich erlaubt – wie stets auf der „UNIKATE“ – eine Sonderschau mit Freien Arbeiten die lust­voll-intellektuelle Auseinandersetzung. Das Motto diesmal: Fremdgehen. Wer – dem plakati­ven, von Mitgliedern der mitausstellenden „Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks am Nieder­rhein e.V.“ selbst­gewählten Motto folgend – alles andere als brave Einfälle erwartet, wird allerdings enttäuscht: die Ausflüge der Kreateure in fremde Gefilde „beschränken“ sich im Wesentlichen aufs Fachliche: künstle­rische Gehversuche in einem anderen Gestaltenden Metier – als willkommene Gelegenheit, sich in neuen, fremden Werkstoffen auszuprobieren.

Was gibt es in der Hauptausstellung ästhetisch zu entdecken? Christel Möhrings amphibisch-aquarische Keramikwelt zum Beispiel. Wie preziös hergerichtete Fundstücke aus dem Schlick des Pleistozän liegen die über­dimen­sionalen schnecken- und korallenartigen Gebilde der Viersener Meisterin vor dem stau­nenden Auge. An eine altböhmische Porzellantraditionen von Kelchen und Vasen mit durch­broche­nem Muster – über­setzt in heutige Seh- und Gebrauchsgewohnheit – knüpft dagegen der Krefelder Horst Göbbels an.

Einen Kontrapunkt zur Flüchtigkeit des rasch ausgespuckten und publizierten Worts im Internet bietet Buchbindermeisterin Renate Mergemeier-Teltz (Düsseldorf). Ob das Reisetagebuch in Schweinsleder, die mit Stoffbändern verzierte Skizzenmappe in Halbpergament oder der sand­farbene Edelpappband mit Schuber: die Haltbarkeit und Ästhetik dieser luxuriösen Gebrauchs­gegenstände stimulieren zu Notizen und Reflektionen für eher dauerhaftere Zwecke der Erinne­rung.

Einer genuin künstlerischen Tradition folgt dagegen Konrad Koppold: dem sublimen Imitat von Natur. Der Leverkusener Holz-Gestalter überrascht für seine Objekte aus frischer, nass bear­bei­teter Moor­eiche mit einer ungewöhnlichen Drechseltechnik: nicht im Quer-, sondern im Längs­schnitt kerbt er Rillen ein; die zu amorphen Verformungen an der Plastik führen.

Zurück zur Sonderschau „Fremdgehen“. Die dramatischste Szene liefern hier sicherlich Heike Reul aus Niederzier und Monika Bergrath aus Würselen. Letztere, die Goldschmiedin, trug den „textilen“-Part bei. Reul, die sonst Kunstgewänder herstellt, sorgte für die Applikationen. Ihre „Pentesilea“ trumpft mit einer Robe aus Stahlfäden, einem Bustier aus Buntmetallfolie, einem Shawl aus Nylongaze und Schmuck­applikationen  aus schlammfarbener, gereffter Kunstseide auf.